Der Lernprozess von Menschen
Wie Informationen aus der äußeren Welt in 10 Schritten unser Verhalten nachhaltig verändern können.
Der einzig sinnvolle Lehrmeister ist das Leben. Nur das, was ein Mensch selbst erfährt, ist für ihn zweifelsfrei relevant und gültig. Nichtsdestotrotz ist es richtig und wichtig, Menschen auf das vorzubereiten, was das Leben ihnen vermutlich an Problemen bereiten wird und sie mit geistigem und körperlichem Handwerkszeug zu versehen, um viele dieser Probleme einfacher oder überhaupt lösen zu können. Ein Problem, mit dem sich ein Mensch geistig - und ggf. auch körperlich - beschäftigt hat, wird ihn im Falle seines Auftretens nicht so sehr gefährden wie ein Problem, das ihn völlig unvorbereitet trifft.
Essenzielle Fertigkeiten und Kenntnisse, die jeder Mensch zum eigenen Nutzen erwerben sollte, sind eine möglichst reiche Sprache, gut lesbare Handschrift sowie das Beherrschen der Grundrechenarten und der Grundlagen der Geometrie. Um das Zusammenleben in einer Gemeinschaft zu ermöglichen, muss ein Mensch die Regeln des Zusammenlebens sowie die Kultur und Geschichte der Gemeinschaft kennen und nach ihnen handeln.
Die geeignetsten Lehrer sind Menschen mit reicher Lebenserfahrung, innerer Ruhe, natürlicher Autorität und der Liebe zu denen, die sie an ihrem Wissen teilhaben lassen wollen. Völlig ungeeignet als Lehrer sind junge Menschen ohne praktische Erfahrung bezüglich dessen, was sie vermitteln sollen. Lehrer, die von Feinden der Menschen ausgebildet wurden, können leicht zum Untergang ihrer Schüler und der Gemeinschaft, zu der diese gehören, führen.
Nachfolgend wird angenommen, dass es eine reale Außenwelt gibt und ihre Wahrnehmung mittels der klassischen Sinnesorgane auf die klassische neurobiologische Weise erfolgt. "Klassisch" bedeutet hier "entsprechend der üblichen Darstellung durch die aktuelle, rein materialistische Mainstream-Wissenschaft".
Die 10 Schritte des Lernprozesses
1. Erzeugung einer physikalischen Größe durch ein Objekt
Von einem Objekt der Außenwelt geht eine Information über eine Eigenschaft dieses Objektes aus, die durch eine physikalische Größe dargestellt wird.
2. Einwirkung auf ein Sinnesorgan
Die physikalische Größe (Energie, Kraft * Weg) trifft auf ein dafür sensibles Sinnesorgan eines Menschen.
3. Umwandlung der physikalischen Größe in ein elektrisches Signal
Das Sinnesorgan wird durch die physikalische Größe angeregt und wandelt diese in ein oder mehrere elektrische Impulse um. Bezüglich der Information bedeutet dies eine Umcodierung/Codewandlung. Die Anregung erfolgt nur, wenn die Intensität der Größe oberhalb der Reizschwelle des Organs liegt. Wenn die Intensität zu groß ist, wird das Sinnesorgan beschädigt oder zerstört. Bezüglich der zeitlichen Veränderung der physikalischen Größe ist zu unterscheiden zwischen Organen, die einen über längere Zeit näherungsweise konstant bleibenden Wert (Gleichanteil) der physikalischen Größe verarbeiten können (z. B. Auge bezüglich der Intensität von Licht einer bestimmten Wellenlänge) und solchen, die einen Gleichanteil nicht verarbeiten können (z. B. Ohr bezüglich des Luftdrucks). In der Regel führt eine längerfristige gleichförmige Reizung zu einer nachwirkenden, aber reversiblen Reduktion der Empfindlichkeit des Sinnesorgans gegenüber dieser Art von Reizung. Dieser Effekt ist sinnvoll, das der Informationsgehalt solcher Reize abnimmt.
4. Weiterleitung der Information zum Gehirn
Das Sinnesorgan leitet die Information über die Art seiner Anregung durch den äußeren Reiz mittels elektrischer Impulse in miteinander verbundenen Nervenzellen weiter zum Rückenmark bzw. Gehirn. Bei komplexen Sinnesorganen wie den Augen und Ohren erfolgt angeblich bereits im Organ eine Vorverarbeitung dieser Information: Manche Informationen über Einzelheiten mit niedrigem Informationsgehalt werden zusammengefasst zu Informationen mit deutlich höherem Informationsgehalt über komplexe, besonders wichtige Eigenschaften des aufgenommenen Reizes (z. B. Kantenerkennung im Auge). Manche Informationen werden als vermeintlich unwichtig klassifiziert und nicht weitergeleitet.
5. Reflexartige Erzeugung von Handlungsimpulsen und Gefühlen sowie Erzeugung eines Abbildes auf der internen Projektionsfläche
Die im Gehirn ankommenden elektrischen Impulse werden angeblich parallel in zwei verschiedenen Arealen weiterverarbeitet:
a) Im "unterbewussten", angeblich "evolutionär älteren" Teil des Gehirns (Stammhirn?, teilweise schon im Rückenmark?) werden aus den durch die elektrischen Impulse repräsentierten Sinneseindrücken unmittelbare Handlungsimpulse (die Muskeln und Organe ansteuern) und Gefühle erzeugt.
b) Im "bewussten", angeblich "evolutionär jüngeren" Teil des Gehirns (Großhirnrinde?) wird aus den durch die elektrischen Impulse repräsentierten Sinneseindrücken auf einer internen "Projektionsfläche" ein Abbild der Außenwelt erzeugt.
Wie die Impulse, die komplexe Sinneseindrücke (Augen, Ohren) repräsentieren, in den beiden Gehirnteilen zu Abbildern der Außenwelt decodiert werden, ist unbekannt.
Ebenso ist unbekant, ob das Abbild räumlich relativ konzentriert oder weit verteilt erzeugt wird.
Im ersten Fall ist die Metapher der Projektionsfläche treffender als im zweiten.
In beiden Arealen a) und b) des Gehirns werden Teile der empfangenen Sinneseindrücke gespeichert.
6. Bewusste Wahrnehmung
Das Bewusstsein nimmt einen Teil der Informationen auf der Projektionsfläche auf und verinnerlicht dadurch einen Teil der Außenwelt. Was das Bewusstsein ist, kann die Mainstream-Wissenschaft noch nicht einmal ansatzweise erklären. Daher ist die Frage nach der Natur des Bewusstseins für uns Menschen die wohl fundamentalste Frage der Philosophie geblieben. Ich gehe davon aus, dass Bewusstsein keine emergente Eigenschaft komplexer informationsverarbeitender Strukturen ist, sondern ein universelles, unsere klassischen 3+1 Dimensionen transzendierendes Feld, das mit solchen Strukturen deutlich wechselwirkt und sich in lokalen, bewussten Entitäten äußert.
7. Einordnung und Bewertung
Das "Ich" kann (braucht aber nicht) durch einen Willensakt die wahrgenommene Information reflektieren, einordnen und bewerten. Dies geschieht stets unter Berücksichtigung des Inhalts des Gedächtnisses und beeinflusst durch die aktuelle Stimmung, die wesentlich durch das Unterbewusstsein bestimmt wird. Dadurch kann eine Information aus der Außenwelt in Extremfällen entweder bewusst ignoriert oder als sehr wichtig eingeordnet werden.
8. Kurzfristige bewusste Handlungsbeeinflussung
Das "Ich" kann durch eine bewusste Entscheidung einen Handlungsimpuls erzeugen oder - sofern er noch nicht zu einer abgeschlossenen Wirkung geführt hat - einen früher entstandenen Handlungsimpuls aus dem Unterbewusstsein hemmen.
9. Erweiterung der Erfahrung
Die neue Information kann, sofern sie als wichtig eingeordnet wird, als eigene Erfahrung, also - zunächst abstraktes - persönliches Wissen erhalten bleiben.
10. Verinnerlichung und langfristige Handlungsbeeinflussung
Wenn eine neue Information unbewusst (weil sie einen Schock oder ein Trauma ausgelöst hat oder weil sie sehr häufig wiederholt eingewirkt hat) oder bewusst (weil sie einen intensiven geistigen Verarbeitungs- und Lernprozess ausgelöst hat) als wichtig eingeordnet wird, kann ihre Bedeutung verinnerlicht werden, also jedes weitere Denken und Handeln ohne bewusstes Nachdenken beeinflussen. Erst mit diesem Schritt ist der Lernprozess abgeschlossen.
Anmerkungen
- Dieses Modell ist erweiterbar auf nichtphysikalische, also geistige Größen, die von einem Objekt ausgehen und auf einen oder mehrere andere Menschen einwirken. In jedem Fall ist das Wesentliche, das transportiert und verarbeitet wird, Information.
- Es gibt Informationen, die nicht über die klassischen Sinnesorgane aufgenommen werden. Hierzu gehören die außerkörperlichen Erlebnisse beim luciden Träumen, bei Nahtoderfahrungen sowie alle Erfahrungen, die von der materialistischen Mainstream-Wissenschaft als Hokuspokus abgetan werden, etwa parapsychologische Phänomene wie Hellsehen oder Gedankenübertragung.
- Ob die oben geschilderte Informationsverarbeitung eine rein neurobiochemische Funktion des Gehirns ist, ist unsicher. Es gibt Indizien dafür, dass das Gehirn auch Informationen aus einem nichtlokalen, immateriellen Informationsfeld verarbeitet oder zumindest - in individuell stark unterschiedlicher Ausprägung - verarbeiten kann.
- Menschen verarbeiten den größten Teil der bei ihnen eintreffenden Informationen nur bis zu Stufe 5. Das wird deutlich beim Ausführen routiniert ausgeführter Handlungen wie Gehen, Schwatzen oder Autofahren.
- Die nur bis zu Stufe 6 gekommenen Informationen werden zum größten Teil wegen ihrer (vermeintlich) geringen Relevanz sehr schnell wieder vergessen.
- Das Durchlaufen der Stufen 7 bis 9 erfordert unter normalen Umständen jeweils einen erneuten Willensakt. Dieser kann ersetzt werden durch sehr häufige Wiederholung der Information.
- Im üblichen Bildungssystem wird die in Stufe 7 erforderliche Verarbeitung vorgeben und mittels Sanktionen erzwungen, erfolgt also nicht freiwillig oder reflektiert.
- Das Ziel der systematischen (Um-)Erziehung von Menschen durch (Des-)Information zielt auf das Erreichen von Stufe 10 unter Vermeidung der Stufen 6 bis 9 ab. Diese wird nicht durch Reflektion der aufgenommenen Informationen, sondern durch deren tiefe Verankerung im Unterbewusstsein durch Wiederholung der Stufen 1 bis 5 erreicht. Daraus folgt als Mittel gegen Gehirnwäsche das bewusste Durchlaufen der Stufen 6 bis 9.